Die Geschichte der Rolex Day-Date, die Uhr der Präsidenten
Seit 1956 gibt es die Rolex Day-Date ausschließlich in Edelmetall, regulär wurde sie nie in Stahl angeboten. Sie war die erste wasserdichte Automatikuhr, die neben dem Datum auch den Wochentag vollständig ausgeschrieben anzeigte, und sie trägt bis heute einen Spitznamen, den sich keine andere Uhr verdient hat: President. Bei uns finden immer wieder Day-Dates aus verschiedenen Epochen den Weg in den Bestand. Einige davon nehmen wir zum Anlass, die Geschichte dieser Ikone chronologisch zu erzählen, von den Anfängen über die legendäre 1803 bis zu Quickset, Oysterquartz und den Blattvarianten der 90er Jahre bis hin zur ersten modernen Referenz.
Kapitel 1: 1956, eine Weltneuheit in Gold
1956 präsentierte Rolex die Day-Date mit den Referenzen 6510 (glatte Lünette) und 6511 (geriffelte Lünette). Der ausgeschriebene Wochentag im Fenster bei 12 Uhr war eine Weltneuheit, und Rolex unterstrich den Anspruch mit einer klaren Ansage: Dieses Modell gibt es nur in Gold oder Platin. Eigens für die Day-Date entwickelte Rolex zudem ein neues dreireihiges Band mit halbrunden Gliedern, das President-Band. Schon 1957 folgte die Referenz 6611, auf deren Zifferblatt erstmals der bis heute bekannte Schriftzug "Superlative Chronometer Officially Certified" erschien.
Ihren Spitznamen bekam die Uhr durch die Männer, die sie trugen. US-Präsident Lyndon B. Johnson machte die Day-Date in den 60er Jahren zur Uhr des Weißen Hauses, und der Name des Armbands tat sein Übriges. Eine schöne Fußnote der Geschichte: Marilyn Monroe schenkte John F. Kennedy 1962 eine Day-Date mit persönlicher Gravur, die Uhr tauchte 2005 bei einer Auktion wieder auf.

Kapitel 2: Die 1803 und ihre Geschwister (1959 bis 1978)
Ab 1959 übernahmen die vierstelligen Referenzen: die 1803 mit geriffelter Lünette als mit Abstand häufigste Variante, daneben die 1802 mit glatter, die 1804 mit Diamantlünette sowie die 1806 und 1807 mit Florentiner- bzw. Borkenschliff. Im Inneren arbeiteten die Kaliber 1555 und später 1556. Typisch für die Ära sind die Zifferblätter mit abgeschrägtem Rand, die Sammler heute liebevoll Pie-Pan-Optik nennen, das Kürzel hinter dem Schrägstrich verrät übrigens das Material, /8 steht für 18 Karat Gelbgold.
Ein Detail, auf das beim Kauf einer 1803 immer geachtet werden sollte: die Schließe. In der vierstelligen Ära bestand das President-Band aus hohlen Gliedern, wurde über Endstücke am Gehäuse befestigt und trug die klassische Kastenschließe. Die verdeckte Faltschließe mit dem kleinen Krönchen als Hebel hielt erst mit den fünfstelligen Referenzen ab 1977 Einzug. Auf dem Markt begegnen einem 180x-Day-Dates mit beiden Schließentypen, denn späte Exemplare und vor allem im Laufe der Jahrzehnte getauschte Servicebänder tragen häufig die verdeckte Schließe. Massive Glieder und die moderne Crownclasp kamen erst mit der sechsstelligen Generation ab 2000.

Aus unserem Archiv: Day-Date 36 Ref. 1803/8 'Diamant Pie Pan'
Unsere 1803/8 in Gelbgold trägt das Pie-Pan-Blatt mit Diamantbesatz und kommt mit Rolex Garantie. Sie ist aktuell in unserem Bestand und zeigt wunderbar, warum die vierstelligen Day-Dates für viele der Inbegriff der Vintage-Rolex sind: warme Goldtöne, das leichte hohle President-Band mit seinem unverwechselbaren Tragegefühl und ein Blatt mit Tiefe, wie es Rolex heute nicht mehr baut.

Aus unserem Archiv: Day-Date 36 Ref. 1803/8 'Pie Pan'
Unsere 1803/8 mit weißem Pie-Pan-Blatt ist tatsächlich bereits mit der verdeckten Schließe ausgestattet. Da sie eine Seriennummer aus 1976 hat und mit passendem Schließencode ausgestattet ist, handelt es sich hierbei tatsächlich um das originale Armband und nicht um ein Service-Armband.
Kapitel 3: Quickset und das Quarz-Kapitel (ab 1977)
1977 modernisierte Rolex die Day-Date grundlegend: Die Referenz 18038 brachte das Kaliber 3055 mit Schnellverstellung des Datums (Single Quickset) und Saphirglas. Im selben Jahr wagte Rolex zudem sein mutigstes Kapitel: die Oysterquartz. Als Antwort auf die Quarzkrise entwickelte die Manufaktur ein komplett eigenes Quarzwerk, für die Day-Date das Kaliber 5055, chronometerzertifiziert und aufwendig gebaut wie ein mechanisches Werk. Dazu kam ein kantiges Gehäuse mit integriertem President-Band, ganz im Geist der 70er Jahre, in Gelbgold als Referenz 19018, in Weißgold als 19019.
Die Oysterquartz blieb bis Anfang der 2000er im Programm.

Aus unserem Archiv: Oysterquartz Day-Date Ref. 19018
Schätzungen gehen von circa 25.000 produzierten Oysterquartz modell-übergreifend aus. Angenommen circa 20% davon waren Day-Dates, bleiben circa 5.000 Exemplare übrig. Wenn man bedenkt, dass die Oysterquartz nächstes Jahr ihren 50ten Geburtstag feiert, ist davon auszugehen, dass einige von diesen 5.000 Exemplaren die Zeit nicht vollständig überlebt haben. Dieses Modell wurde auch eine Langezeit vom Markt leider gar nicht angenommen und mit Sicherheit wurden einige OQ DD für ihren Materialwert geschlachtet oder das Armband eingeschmolzen. Wie viele Exemplare wirklich gebaut wurden und noch vollständig original im Umlauf sind, ist leider unklar.
Was auf jedenfalls feststeht ist, dass eine Rolex Oysterquartz Day-Date in so einem schönen Zustand eine absolute Seltenheit ist.
Was damals ein Nischenprodukt war, ist heute ein Geheimtipp mit wachsender Fangemeinde.

Aus unserem Archiv: Day-Date 36 Ref. 18138 aus der 'Crown Collection'
Besser wird es kaum: Die sogenannte Crown Collection bezeichnet eine Serie außergewöhnlich aufwendig mit Edelsteinen besetzter Day-Dates, die nie offiziell im regulären Katalog standen. Nach heutigem Kenntnisstand wurden diese Uhren nur auf besondere Anfrage für ausgewählte Kunden gefertigt. Unsere Referenz 18138 war eine der extravagantesten Ausführungen der klassischen 36er: ein Gehäuse aus 18 Karat Gelbgold mit werkseitig diamantbesetzten Bandanstößen und einer vollständig diamantbesetzten Lünette, deren Steine in der Größe variieren, um den Konturen des Gehäuses perfekt zu folgen. Dazu das sogenannte Lemon Dial, ein ungewöhnlich helles, gelblich getöntes Champagnerblatt, das je nach Lichteinfall fast cremefarben wirkt oder einen satten goldgelben Ton annimmt, vollendet von acht Diamantindizes im Brillantschliff und zwei Baguette-Diamanten bei 6 und 9 Uhr.
Kapitel 4: Double Quickset (ab 1988)
1988 folgte mit der Referenz 18238 der nächste große Schritt: Das neue Kaliber 3155 erlaubte erstmals die Schnellverstellung von Tag UND Datum, das Double Quickset.

Aus unserem Archiv: Day-Date 18238 'Myriad Dial'
Unsere 18238 trug eines der schönsten Werkszifferblätter der 90er Jahre: das Myriad Dial. Unzählige Brillanten sind hier in einem funkelnden Muster zwischen den aufgesetzten Indizes gefasst, dazu gehören die charakteristischen Zeiger ohne Leuchtmasse. Myriad-Blätter wurden nur in kleiner Zahl gefertigt und zählen heute zu den gesuchtesten Blattvarianten der fünfstelligen Day-Dates.

Aus unserem Archiv: Day-Date 'Tridor' Ref. 18239 mit Perlmutt-Diamant-Blatt
In den 1980er Jahren lancierte Rolex dann mit der Tridor eine Idee, die es für Herren nur bei der Day-Date gab: Die Mittelglieder des President-Bands vereinen Gelbgold, Weißgold und Roségold in einem Band. Auf 3 Meter Entfernung würden wohl die meisten Leute eine Tridor Day-Date mit einer „einfachen“ Datejust verwechseln. Erst bei genauere Betrachtung oder spätestens bei ihrem Gewicht wird dann klar werden, dass die Uhr dann doch keine „einfache“ Datejust ist, sondern etwas ganz besonderes.
Unser Exemplar auf Basis der Weißgold-Referenz 18239 kombinierte das Tridor-Band mit einem Perlmutt-Diamant-Blatt und Jubilee-Dekor. Dieses Zifferblatt, war wohl seiner Zeit nur außerhalb des normalen Rolex-Kataloges auf Anfrage bzw. Bestellung erhältlich.


Aus unserem Bestand: Day-Date 36 Ref. 18248 'Borke'
Die 18248 führt eine Tradition fort, die bei der Day-Date bis in die 60er Jahre zurückreicht: das Borkendekor. Was mit der 1807 begann und über die 18078 fortgeführt wurde, erreichte in der Double-Quickset-Ära seine letzte Ausbaustufe. Bei der 18248 tragen die Lünette und die Mittelglieder des President-Bands die fein gravierte, an Baumrinde erinnernde Struktur, ein handwerklich aufwendiges Finish, das jeder Uhr einen ganz eigenen Charakter verleiht. Mit dem Generationswechsel um 2000 verschwand die Borke aus dem Programm, die 18248 gehört damit zu den letzten Day-Dates mit diesem Dekor. Wichtig für Sammler: Da die Struktur bei jeder Politur leidet, sind Exemplare mit scharfer, unberührter Borke besonders gesucht.
Kapitel 5: Die sechsstellige Generation (ab 2000)
2000 löste die sechsstellige Generation ihre Vorgänger ab und brachte die größte Bandüberarbeitung in der Geschichte des Modells: massive Glieder, direkte Gehäuseanbindung und die moderne Crownclasp. Die Schließen-Evolution, die bei der 1803 mit der Kastenschließe begann, findet hier ihren Abschluss. Im Inneren arbeitete weiterhin das bewährte Kaliber 3155 mit Double Quickset. Ebenso wie bei der Daytona, war die Oberseite der Hörner nun poliert und nicht mehr mattiert. Die geriffelte 118238 blieb das bekannteste Gesicht der Baureihe, daneben stand jedoch eine oft unterschätzte Schwester: die 118208 mit glatter Lünette.

Aus unserem Archiv: Day-Date 36 Ref. 118208
Die 118208 ist die dezente Interpretation der goldenen Day-Date: 18 Karat Gelbgold, aber statt der geriffelten die glatt polierte Lünette, was der Uhr einen ruhigeren, aufgeräumteren Auftritt verleiht, soweit man bei einer Vollgold-Day-Date überhaupt von Zurückhaltung sprechen kann. Gebaut wurde sie von 2000 bis etwa 2019, stets mit den massiven Armbändern der neuen Generation. Unser Exemplar zeigte perfekt, wie modern eine 36er Day-Date wirken kann. Für viele ist die glatte Lünette der Geheimtipp unter den sechsstelligen Referenzen, auch weil sie preislich meist unter der 118238 liegt.
Ausblick: Day-Date II und Day-Date 40
2008 wagte Rolex mit der Day-Date II erstmals 41 Millimeter, ersetzte sie aber 2015 durch die harmonischere Day-Date 40 mit dem neuen Kaliber 3255. Die klassische 36er lebt selbstverständlich weiter. Und eines ist nach 70 Jahren unverändert: Eine Day-Date aus Stahl gibt es nicht, gab es nie, wird es wohl nie geben. Genau wie es bei uns nie eine Day-Date II oder Day-Date 40 geben wird, denn 36mm ist einfach die richtige Größe.
Das Day-Date Kollektiv wächst weiter
Die gezeigten Uhren stehen exemplarisch für die Bandbreite dieser Modellreihe: Vintage-Charme mit Pie-Pan-Blatt, Quarz-Avantgarde, Diamant-Glamour und Tridor-Extravaganz. Wie beim Daytona Kollektiv gilt auch hier: Wenn neue Day-Dates den Weg zu uns finden sollten, werden sie selbstverständlich im Day-Date Kollektiv ergänzt.